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5 Minuten Lesezeit (1087 Wörter)

Das Leuchten der Erinnerung

Sunn im Sunnglasl - superneue Idee ;)

Vor wenigen Jahren, gerade am Beginn des Outdoor- und Kletterhypes bemühte sich ein ehrbarer Sportartikelhersteller einen anständigen Fotowettbewerb zu initiieren.

Es ging darum, deinen "Outdoor"-Moment festzuhalten, online zu stellen und das natürlich mit gaaanz viel sharen auf Social Media einer breiten Gruppe zukommen zu lassen, um dafür zu voten. Diese armselige Methode des Marketings zieht sich ja bis heute weiter und jede/r kennt es - es gewinnen nie die besten Fotos, sondern die mit den meisten "Freunden" und "Likes" über div. Plattformen. (Ich selber bin seit Jänner nicht mehr auf Facebook und oh Wunder, es hat sich gar nichts verändert!)

Was soll ich sagen, ich war jung und dachte das geht schon mit meinen 220 Freunden auf Facebook - außerdem war das Foto witzig und die Geschichte dahinter ziemlich genial. Flow konnte an seinem ersten Tag im Boulder "Peter Strom" (ein 8A Boulder von Klem Loskot in Waldstein) das Ding abhaken, im letzten Versuch gab er noch einmal alles und zog bis zum Schluss durch. Grund genug für ein Gruppenfoto unserer Truppe und einem lachenden Flow - nicht nur auf Grund des Boulders, aber seht selbst. (Das Foto ist übrigens ein Suchspiel...da hat wohl wer einen Finger zuviel im Einsatz...und das mit den drei Bier kennt ja eh jeder, gell?)

Jede einzelne Person durfte alle 24 Stunden voten und so sehr ich meine Freunde, Bekannten und Verwandten jeden Tag erinnerte, ich lag bald einige hundert Stimmen zurück und das Ziel in die Top 10 zu kommen und damit einen Preis zu ergattern rückte in immer weitere Ferne.

Damals studierte ich allerdings irgendwas mit Informatik und so kamen wir bald dahinter, dass es eine Sicherheitslücke gab - ich erspare euch den Rest, jedenfalls reichten meine Votes aus um in die Top 10 zu kommen und mein Foto wurde von den gesponserten Teamathleten bewertet.

Ich kam unter die besten Drei, zum ersten und einzigen Mal in meinem Leben bei einem Fotowettbewerb - und auch hier gab es weitaus bessere, die sich einen Sieg verdient hätten. Ich gebe zu, ein wenig zach war das schlechte Gewissen schon, so für 5 Minuten.

Und mein Gewinn?

Ein langes Wochenende in Zermatt, Besteigung eines 4000ers mit einem Bergführer, bezahlte An- und Abreise, Unterkunft, Verpflegung und der ganze modische Schnickschnack von Softshell- über Hardshelljacken und auch -hosen(!), Primaloftjacke, Schuhe und noch einigen Dingen - und ich durfte auch noch einen Freund mitnehmen der ebenso ausgestattet wurde!
Wahnsinn! Was für eine Show!
Auf meine Nachricht, wer von meinen Freunden mitfahren wollte, reagierte zuerst niemand. Niemand wollte mit mir gemeinsam auf einen 4000er gehen, auch als ich meine Fragerei auf Bekannte, Ex-Freundinnen, zukünftige vielleicht-Freundinnen ausdehnte, niemand hat zugesagt. Erst als ich Stefan E. gefragt habe, hatte ich jemanden gefunden der sofort zugesagt hatte. Wir kannten uns damals noch nicht so gut, aber wer Bier trinkt und sich bereit erklärt mit mir in die Schweiz zu fahren, kann nicht so verkehrt sein.

Also Material vom Alpenverein, steigeisenfeste Bergschuhe von Freunden ausgeborgt, rein ins Auto und ab in die Schweiz.

Hundemüde von der langen Autofahrt kamen wir in Zermatt an, wurden begrüßt vom Outoor-Marketing-Typen, bekamen unsere Ausrüstung, besprachen uns mit den Bergführern und irgendwie hatten wir beide wohl ein mulmiges Gefühl im Bauch. Wir waren doch bisher nur bouldern und sportklettern, wie sollen wir auf einen Pollux oder Castor heil hinauf und wieder herunterkommen? Oder eine ganze Breithorntraversierung machen?

Am nächsten Tag ging es auch schon los. Akklimatisierung gab es nicht, stattdessen von Zermatt direkt auf annähernd 4000m Seehöhe und siehe da - kein Kopfweh (Aspirin sei Dank), kein Schwindel, keine Atemnot - dafür stirnrunzeln bei Anseilen und Anziehen der Steigeisen. Schließlich war es das erste Mal, dass wir am kurzen Seil gingen und die Steigeisen hatten wir davor auch nur ein Mal im Hotelzimmer probiert.

Die Bergführer gingen ein Tempo, das wir im flachen Gelände gerade noch mithalten konnten, ich war noch immer erstaunt über unsere Kondition, aber kaum ging es bergauf begriffen wir, dass in diesem Gehtempo für uns der Ausflug bald beendet sein würde.

Wir haben das auch eingestanden und änderten den Plan auf die halbe Breithorntraversierung, statt der Ganzen.

Der Aufstieg in den Grat erfolgte über eine steile Eis-Firnflanke, in die wir ohne viel Vorbereitung geschickt wurden. Unser Bergführer ging dasselbe Tempo wie wir und hackte gleichzeitig auch noch Stufen in das Eis, wodurch uns ein kristalliger Eiswind ins Gesicht fegte. Mein Blick wanderte nach unten in Richtung Gletscherspalte. Ed, der mit seinen 80-90 Kilo in der Mitte ging, schnaufte dem Bergführer, der ungefähr meine Statur hatte, hinterher. Ich sah Ed schon ins Rutschen kommen und wie ich und der Bergführer verzweifelt unsere Pickel in das Eis hauen würden, um dann doch von der Gletscherspalte verschluckt zu werden. Oder wie in diesen lustigen Hollywoodfilmchen, wo die Armen immer genau an der Kante der Spalte hängenbleiben um danach sekundenlang gellend zu schreien, für mich immer ein besonderes Highlight!

Irgendwie schafften wir es dann doch auf den Grat. Kurze Pause, also ca. 2 Minuten, Zeit für 1 kurzes Foto und schon ging es weiter mit La Postella. Unser Bergführer traute uns anscheinend einiges zu und bei längeren Kletterstrecken legte er das Seil lediglich um ein Köpfel oder eine Schuppe und hielt es in den Händen während wir nachkletterten. Unsere Gesichter wurden immer weißer, ob von der dünnen Luft oder auf Grund unserer Unsicherheit gepaart mit der Kaltschnäuzigkeit des Schweizer Bergführers, kann ich nicht genau sagen. 

Jedenfalls brachten wir alle Kletterstellen hinter uns, schritten über den Gletscher und standen am Gipfel. Naja, das Breithorn, der einfachste 4000er der Alpen, ist mehr ein schneebedeckter Hügel auf den Touris durch den weichen Schnee hinaufstapfen können - nicht einmal ein Gipfelkreuz steht darauf. Trotzdem war es für uns ein überwältigendes Erlebnis, auch wenn ich mich gerne mehr mit der Route beschäftigt hätte. Tourenplanung, vorsteigen und selber Sicherungen legen bzw. einen Stand bauen war alles nicht notwendig. Ein Bergführer nimmt einem sehr viel von dem Gesamterlebnis. Er stellt sicher, dass man am Gipfel landet und heil wieder runterkommt, aber das ganze Abwägen ob das eine gute Idee ist, ob man sich sicher ist oder ob es Unsicherheiten gibt, ob man durchsteigen oder abbrechen muss - das alles fehlte.

Jedenfalls war ich damals froh und dankbar, dass ich dieses Erlebnis mit Ed teilen durfte, seitdem steht auch immer unser Gipfelfoto bei mir am Schreibtisch, schon etwas verblichen, aber noch immer mit hoher Symbolkraft.

Jeden Tag, den ich im Büro beginne, sehe ich unser Foto und denke mir "Geile Zeit!". 

P.S.:
In der Nacht nach unserer Tour haben wir in Zermatt rund 300 Franken in Bier, Pizza, Gin Tonic und Long Island Ice-Tea investiert und das als 'Verpflegungskosten' geltend gemacht
. Steirer eben ;-) 

„Mit 66 Jahren….“
„Kaffeetrinken ist integraler Bestandteil des Klet...
 

Kommentare 4

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Stefan Edlinger am Montag, 29. Januar 2018 20:51

war schon ein geiles Erlebnis. Wobei war es nicht Mojito der am Abend so gut floss?

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war schon ein geiles Erlebnis. Wobei war es nicht Mojito der am Abend so gut floss?
Stäph M am Dienstag, 30. Januar 2018 07:27

ich bin mir da nicht mehr so sicher...

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ich bin mir da nicht mehr so sicher...;)
Andi am Dienstag, 30. Januar 2018 14:25

1. coole Geschichte von der Story her
2. dem Gipfelphoto sieht man an, dass ihr neu ausgerüstet worden seid, die Farben sind ja noch richtig grell ...

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1. coole Geschichte von der Story her 2. dem Gipfelphoto sieht man an, dass ihr neu ausgerüstet worden seid, die Farben sind ja noch richtig grell ...
Stäph M am Dienstag, 30. Januar 2018 14:38

hab' noch immer alles von damals, darf ma nix schimpfen

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hab' noch immer alles von damals, darf ma nix schimpfen ;)