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Reinhard Kleindl - Grazer Slackline Physiker

Der Grazer Physiker Reinhard Kleindl zählt in unseren Landen zu den Pionieren des Slacklinens. Neben dem Slacklinen zählt auch das Sportklettern zu seinen Hobbies. Seine Vielfältigkeit zeigt sich auch durch Publikationen im wissenschatlichen Bereich sowie von Science-Fiction-Geschichten. Er arbeitet eng mit der Firma AustriAlpin zusammen, mit der er Slacklinematerial testet und entwickelt. Im Jahr 2010 veröffentlichte er das Buch Slackline - die Kunst des modernen Seiltanzens.

Beginnen möchten wir dieses Ferninterview mit den üblichen einleitenden Fragen.

Fox.: Welche Slackline, Kletterroute oder welcher Boulder bescherte dir das beste Feeling
Routen: Hinterm Buch und gusch (8a/b), Birkenblock Radegund
Line: Rafsta Project Highline in Stubenberg (64m)

Fox.: Kletterspezifische Ausbildung
R.K: Lehrwart Breitensport

Fox.: Wann und durch wenn bist du zum Klettern und zum Slacklinen gekommen?
R.K: Beim Klettern waren es die Physiker (ca. 2003). Mit Herrn Professor Heli Gausterer von der Funhall direkt in die Vorlesung oder umgekehrt. Beim Slacklinen war es die Grazer Partie rund um Bernie Friedrich und slackline.at (ca. 2007).

Nach einer ersten Einleitung hätten wir nun zwei Fragen das Bouldern betreffend, bevor wir zu deinem Spezialgebiet dem Slacklinen kommen.

Fox.: Die Grazer Boulderszene ist geprägt von einem starken Localistentum. Wenn man dann sieht, wie rücksichtslos sich manche in unseren Wäldern verhalten, ist es nicht verwunderlich, dass keiner seine geheimen Spots preisgeben möchte. Was war deine schlimmste Erfahrung mit anderen unbelehrbaren Boulderern?
R.K: Dass Müll liegen bleibt, das seh ich nicht ein. Wer eine Putzfrau braucht, die hinter ihm Papierln aufklaubt, soll in der Halle bleiben. Oder dass man dort parkt, wo man eh weiß, dass es Probleme geben wird.

Fox.: Was rätst du Einsteigern wie auch Insidern, damit ein gutes Miteinander funktioniert und viele unsere Leidenschaft teilen können?
R.K: Keine Spuren hinterlassen. Beim Bouldern muss man sich einem Problem anpassen, um es knacken zu können. Genauso will ich mich der Natur anpassen, das gehört für mich zum Erlebnis dazu. Das ist ein Geschenk. Wer das versteht, passt automatisch auf, denk ich.

Nun aber zum Slacklinen

Fox.: Uns haben sehr deine Urban Slackline Projekte gefallen: die Highline im Grazer Landhaushof und natürlich dein New Bridge Projekt. Hast du schon ein neues Projekt in deiner Heimatstadt ins Auge gefasst?
R.K: Das Liebenauer Stadion reizt mich, von Dachkante zu Dachkante. Ich weiß nur noch nicht – längs, oder quer? :-) Im Grazer Bergland hab ich ein paar neue Spots.

Fox.: Was wäre die krasseste Slackline die du gerne spannen würdest?
R.K: Petronas Towers, Kuala Lumpur.

Fox.: Viele namhafte Slackliner spezialisieren sich. Du bist aber so vielseitig, dass man von dir von Projekten auf Highlines, Longlines und Jumplines hört. Ist es nicht sehr schwierig in all diesen Bereichen auf so hohem Niveau aktiv zu sein? Wie sieht dein Training aus?
R.K: Ich brauch diese Abwechslung. Wenn ich zu lange das Gleiche mach, krieg ich Tunnelblick. Man regeneriert sich auch leichter und ist frischer im Kopf, findet leichter neue Lösungen, verletzt sich nicht so leicht. Ich genieße auch den Wechsel zwischen sportlichen und intellektuellen Spielwiesen. Im Winter mehr schreiben, im Frühjahr wieder mehr auf die Leine.

Fox.: Welche Spannweiten von Longlines werden wir in Zukunft noch sehen?
R.K: 500m sind absolut drin. Das ist eine Materialfrage.

Fox.: Dein Buch “Slackline die Kunst des modernen Seiltanzens” bietet sowohl für Anfänger wie auch für Fortgeschrittene Tipps und Tricks wie man das Slacklinen leicht erlernt und man rasch besser wird. Zudem bietet das Buch einen guten Einblick in die Geschichte und Entwicklung von Seiltanz und Slacklinen. Was waren die größten Hürden für dich bei der Veröffentlichung deines Werkes?
R.K: Der Glaube an mich selbst.

Fox.: Dein Buch ist gespickt mit tollen Bildern, zudem hast du auch gerade den Film “A slackline dream” präsentiert. Was an Veröffentlichungen und Projekten hast du für das Jahr 2011 geplant?
R.K: Es kommt noch ein weiterer Film, „Keep it Slack“, an dem ich schon lange arbeite. Auf den freu ich mich schon riesig. Meine Projekte sind, neben meinem Longlinetreffen, den Days of Distance, vor allem lange Highlines.

Fox.: Du hast bei zahlreichen Jumplinekontests teilgenommen, warst aber bei der erste Slackline WM in Brixen als Judge tätig. Wie kommt man zu der Ehre als Juror einberufen zu werden? Und hätte es dich nicht auch gereizt aktiv an der WM teilzunehmen?
R.K: Judgen ist wirklich eine ehrenvolle Sache, die ich sehr ernst nehme. Beim Jumpen bin ich schon eher ein alter Hase, da ist es naheliegend, dass man Judge wird. Ich hätte auch gern mitgemacht, aber die Wettkämpfe gehen gerade in eine Richtung, die mir nicht so liegt: Höhere, längere Lines, für die Buttbounce-Combos. Da fühl ich mich mit meinen Flips nicht so wohl, und wenn man sich nicht wohlfühlt, verletzt man sich leicht. Und ausschauen tut es auch nicht schön.
Mir wird auch so nicht langweilig.

Fox.: Kann man bei so einem simplen Sport wie es das Slacklinen zu sein scheint auch Fehler machen, welche eigentlich leicht zu vermeiden wären?
R.K: Beim Slacken gibt es schon so eine „Just do it“-Philosphie. Das könnte beim Highlinen ein Problem werden, wenn jemand kein Backup-Seil verwendet. Und jetzt, wo sich Longlinen mehr verbreitet, sehe ich ein Problem in zu hoher Spannung. Mit einer überspannten Longline kann man sich die Finger amputieren, wenn sie reißt.
Der ste und verbreitetste Fehler ist, die Bäume nicht zu schützen. Das ist auch ein Zeichen von Ignoranz und wird uns noch auf den Kopf fallen, wenn wir nicht aufpassen.

Fox.: Dein Tipp für Anfänger wie auch Fortgeschrittene Slackliner?
R.K: Den eigenen Zugang suchen. Das Gefühl, die Selbsterfahrung. Nicht darauf schauen, was die anderen machen.

Reinhard Kleindl
Steckbrief
Name: Reinhard Kleindl
Geboren: 1980
Ausbildung: Studium Theoretische Physik
derzeitige Berufliche Tätigkeit: Slackliner, Wissenschaftsjournalist, Autor
Sponsoren: Adidas, AustriAlpin
Webauftritt: reinhardkleindl.at

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Graz, Österreich
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Sonntag, 04. Dezember 2016
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