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Weltrekordversuch auf der Slackline

Ein halber Weltrekord

Wie fühlt sich eine 200 Meter lange Slackline an? Diese Frage beschäftigte mich schon seit Monaten. Solche Monster sind, wie ich gehört hatte, bereits begangen worden. Ich versuchte mir vorzustellen, wie es ist, wenn man in der Mitte steht – hundert Meter von jedem der Fixpunkte entfernt. Das musste ein Gefühl sein, als wäre man eine Nussschale mitten im Pazifik.

Deshalb fuhr ich letztes Wochenende nach St. Johann, um Michi Aschaber zu besuchen. Der „Matrix“-Michl ist ja sonst eher für seine High-End-Jumpline-Aktionen bekannt; diesmal allerdings hatte er sich ein ganz anderes Ziel gesetzt. Wie er mir erzählt hatte, verfügte er nicht nur über ein sehr langes Band (genauer gesagt, ein RICHTIG langes Band), tolle neue Slackdogs (die er wegen ihrer Form „Bananen“ nennt), sondern auch über einen geeigneten Platz um das Ganze aufzubauen – eine Slackline in Weltrekordlänge. Und genau das wollten wir auch tun, wenn das Wetter mitspielte.

Nach einem morgendlichen Begrüßungskaffee fuhren wir bei bestem Wetter zu dem Platz hin, nur wenige hundert Meter von Michis Wohnung entfernt. Er zeigte mir eine große Wiese und über 200 Meter entfernt, wo der Wald begann, einen Baum. Dazwischen lag eine gleichmäßige, mehrere Meter tiefe Senke. Irgendwo in meinem Hinterkopf sagte eine Stimme, dass es eine völlig absurde Idee war, hier eine Slackline aufzubauen. Aber ich hörte nicht so genau hin.

„Und? Bau ma sie auf?“ fragte er mich grinsend. Was für eine Frage!

Erstaunlich, wie schnell sich eine Longline aufbauen lässt, wenn man etwas Erfahrung und Routine damit hat. Zu dritt – Michis Freund Volker war mit von der Partie – hatten wir das Teil in weniger als einer Stunde gespannt. Der eingebaute Kraftmesser zeigte 1400 Kilogramm an, als wir unsere ersten Versuche starteten.

Anfangs hatten wir vor allem ein Problem mit dem Absprunggelände: Ein Bauer hatte gerade auf den ersten Metern Kuhmist ausgeführt. Erst nach einem kleinen Bachbett, das nach knapp dreißig Metern die Wiese querte, hörte der Mist auf. Doch so weit kamen wir anfangs leider nicht. Irgendwann wechselte ich auf die andere Seite und startete von dort. Ein, zwei gute Versuche zeigten mir, dass diese Seite, obwohl es leicht bergab ging, die bessere Wahl war.

Wie fühlt es sich also an, das Gehen auf einer 200 Meter Line? Wild, anspruchsvoll und faszinierend. Weniger wie eine Slackline, sondern eher wie ein Geländer, an dem jemand heftig und unregelmäßig rüttelt. Wir spannten das Teil auch noch einmal ordentlich nach. Durch die Spannung schlägt die Line zwar nicht weit aus, aber die Schwingungen sind so heftig, dass man sie kaum noch beruhigen kann. Man ist auf dem Ding Passagier und kann nur Ruhe bewahren, so gut es geht.

Wir spielten den ganzen Tag mit der Line, bauten sie sogar einmal ab und ganz neu wieder auf. Wir hatten die Tiefe der Senke unterschätzt und konnten die Fixpunkte noch tiefer ansetzen. Mit jedem Versuch fühlten wir uns besser in die Schwingungen des Bandes hinein, verloren immer mehr von unserem Respekt und scheiterten doch immer wieder gerade am Kopf.

Genau kann ich es nicht sagen, aber ich denke, es ist möglich. Michi und ich schafften an diesem Tag etwas mehr als fünfzig Meter weit, also ein Viertel der Weltrekorddistanz. Dort war jedes Mal Schluss. Zwei Tage später versuchten wir es erneut; diesmal war auch der Heinz (Zak) mit dabei.

Wir konnten die Line auch am zweiten Tag nicht durchgehen, doch wir kamen der Sache näher. Ich schaffte es zwei Mal fast bis zur Mitte (etwa 90 Meter vom Fixpunkt entfernt). Leider ist die Senke etwas zu tief: Ich war an dieser Stelle fast drei Meter über dem Boden und musste immer die Möglichkeit offen halten, noch kontrolliert abzusteigen. Das ist aber möglich, weil das Band überraschenderweise nicht viel weiter als bei einer normalen Line ausschlägt, wenn man genügend Spannung in den Beinen aufbaut.

Es war jedenfalls ein unvergessliches Erlebnis. Wie sehr ich mich verausgabt hatte, merkte ich erst am Abend: Beim Stiegensteigen hätte ich fast das Gleichgewicht verloren – meine Beine wollten mir einfach nicht mehr gehorchen.

Werde ich es wieder versuchen? Mit Sicherheit. Die nächste Gelegenheit wird kommen. Vielleicht kann ich dann ja die zweite Hälfte in Angriff nehmen.

Vielen Dank für diesen Bericht an Reinhard Kleindl. Mehr zum Thema Slacklinen und auch Videos findet ihr auf www.slackline.at und www.slackademy.at.

Ein weiteres Highlight aus Reinhards Projekten seht ihr hier:

Bouldertrip Indien
Burg Altpernstein

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Sonntag, 04. Dezember 2016
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