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Bleauesque - a tribute

Prolog

Wir schreiben den 22.März 2015. Vor 6 Monaten war ich zum ersten Mal in Bleau und war auf der Stelle verknallt wie ein 16-jähriger teenage dirtbag der unter nicht onanierbarem Restdruck leidet. So verknallt, dass ich mir nichts sehnlicher wünschte als ein weiteres Mal dorthin zu fahren. Einer nach dem Anderen wurde aquiriert und die Hoffnung auf einen 1a-Bouldertrip von ein paar Leuten mit derbem Humor und starken Fingern wuchs.

Es ist der Sonntag vor dem Freitag an dem wir die 13-stündige Fahrt von Graz nach Fontainebleau antreten. Übermotiviert habe ich trainiert und mir den neuen 7+8 Führer gekauft. Ja, auch in Bleau geht es um Grade. Wer dies leugnet, der lügt. Oder ist einer dieser Happyhippiebaumwollsackerlvegansoftmovebartboulderclowns (Ja, das alles gibt es, mehrmals, in einer Person vereint!), die zwar nicht anreißen, aber sooo fancy sind, dass nicht einmal Seifen von Lush mithalten können. Haters gonna hate ;-)
Die Woche vor Bleau verbrachte ich dauerunterregeneriert und dies gipfelte darin, dass ich am Donnerstag, auf der Mojito Climbing Party im Blochouse, mir zuerst die Fingerkuppen und anschließend das Gleichgewichtsgefühl ruinierte. Was für eine Party! Da ich nicht alleine wohne, wuchs nicht nur mein Rausch, sondern auch der Zorn des Khan, in Form meiner besseren Hälfte, die zu Hause auf mich wartete. Der Abend vor Bleau: Leicht bewölkt mit Donnerwetter.

Los gehts!

Wir starteten Freitagnacht in ein wirres Abenteuer aus selbstabschaltenden Navis, versperrten McCafes und der Dauerbeschallung meines "Awesome Mix". Samstags gegen 9 Uhr beziehen wir ein tolles 2-stöckiges Gite südlich von Nemours während es draußen regnet. Die ungebrochenen der Gesellschaft für Felsbouldern ziehen trotzdem von dannen - Richtung Decathlon und Carrefour. Zwengs billigen Kletterhosen und Pof bzw. einem Ghost den man bei feuchtem Wetter wirklich gut brauchen kann. Struppi kann trotz seiner fehlenden Französischkenntnisse auch noch 25% Ermäßigung bei einer Simond Kletterhose rausschinden, der Verkäufer wollte ihn wahrscheinlich einfach loswerden. Am Parkplatz beratschlagen wir und ich empfehle nach 95.2 zu fahren. Wenn es heute noch irgendwo auftrocknet, dann dort.
Der Ghost wird anständig durchgezogen und durchgereicht. Wind und Sonne verstärken unsere Bemühungen und wir können bis zur Dämmerung durchgehend bouldern. Die jeweiligen Highlights sind wie folgt: Struppi bouldert am ersten Tag seines ersten Bouldertrips in Bleau 6A. Ed wird von mir einen Boulder hochgebrüllt, sehr zum Gaudium der anwesenden Deutschen, die sich vorher auch über meine Robbentechnik am Ausstieg amüsiert haben dürften. Persönliche "Detsch´n" gab es in der Test de Turing (7A - Platte), dem roten 43er und auch nach dem Verlieren beim Kartenspiel. Um 23 Uhr sind wir seit 27 Stunden auf den Beinen und erste kognitive Prozesse verlangsamen sich.
Der 1. Tag Bleau - WAHNSINN!!!

Am Tag des Herrn, Sonntag für die Atheisten, will er uns anscheinend viel Zeit geben um ihm zu huldigen - es regnet. Naja, nicht wirklich, es nieselt, und eben das reicht aus um mehr als 15.000 Boulder unboulderbar zu machen. Trotz unserer 6-köpfigen Gruppe habe ich stets das Gefühl, es fehle jemand. Der Hashtag #comebackmorty soll dem Daheimgeliebenen zeigen wie sehr er uns fehlt. Aber er muss nun mal auf einen Babyhund aufpassen, den er sich mit seiner Freundin zugelegt hat. Und Dave? Der muss das Banken- und Wirtschaftssystem aufrecht erhalten. Wir müssen heute gar nichts. Nur die erste Flasche Pina Colada muss heute absolviert werden. Bier am Vormittag, Pina Colada zu Mittag und Kartenspiele um den größten aller Einsätze. So sieht das Regentagprogramm in Bleau aus. Es ist früher Nachmittag als wir nach Bas Cuvier starten wo Flow und Archy La Marie Rose flashen, danach gibt es mehr Sprühregen, einen abgehakten Dyno, verzweifelte Versuche Griffe trocken zu legen und die Fahrt zurück in unser Häuschen. Es gibt schon wieder Thunfischnudeln und es werden Nettigkeiten ausgetauscht wie "Dei Mutta putzt beim Scheissn!". Warum sie das macht, hat sich nicht geklärt. Nicht viel an diesem Tag, aber die Woche ist ja noch jung!

 

 

 

Im Sektor Elephant scheint die Sonne und alle geben richtig Gas. Flow holt sich an diesem Tag >10 Boulder, darunter ein 7C, 7B+, 7B, 7A usw. usf.
OVERNAISE! Für Struppi hat sich der Pina Colada auch ausgezahlt - ein 6C aus dem schwarzen Parcour fällt in wenigen Versuchen. Danach gibt es verzweifelte Gesichter in einer 4B (!) Platte, Triumphe in einem 7A Dyno und eine echt fitte Moni Retschy die uns zeigt wie Weltcupboulderqueens die Sachen angehen. Dreizehn (13!) Stunden waren wir gefahren um keine Österreicher zu sehen und gleich heute empfangen uns Kärnten-Oberösterreich-Graz am Elefanten mit ihrem netten Lautsprecher der irgendwelche Chartsongs in den Sand plärrt.
Ist das eine gute Idee? Nope! Stört das andre? Yap! Soll bouldern draußen wirklich Dauerbeschallung innehaben? Nope!
Wir verziehen uns erst am Abend als es zu regnen beginnt. Alle haben einen Riesensmile im Gesicht, nur nicht Ed. Zu speziell die Kletterei, zu wenig setzt er seine Füße ein und in Bleau geht ohne sauberes steigen nunmal nichts. Ich koche heute. Es gibt Hendlfilets mit Basilikum, Tomate und Mozzarella überbacken, dazu Bratkartofferl. Endlich keine Nudeln! Wir spielen heute kein Kartenspiel und beschränken uns auf steirisches Bier, französischen Wein, deutschen Pina Colada und südtirolerischen Zirbenschnaps. Es gibt noch eine Runde ClimbOn für alle (Vorsicht! Produktplatzierung!) und so enden Bouldertage.

 

 

 

Da die Meisten etwas zerstört aufwachen, beschließen wir einen Ruhetag zu machen. Nicht ohne nach Isatis zu fahren. Ed und Anita knipsen dort 12-13 Boulder ab. Archy begnügt sich mit dem 7A+ Dyno Vin Rouge, wo er aus zwei Untergriffen voll rausfedert und weit, weit fliegt. Kein Problem für unseren Langen. Mit müden Augen stapfen wir an astreinen 5 Sternlinien vorbei, mal hier, mal da zusehend.
Gegen Abend hol ich mir noch den 7A Klassiker De brevitate Vitae und streiche danach hautbedingt die Segel. Struppi wird derweil etwas Emo auf Grund seiner Schmerzen im Ellbogen und betreibt Ausgleichstraining - in Isatis!
Am frühen Abend fahren wir nach Hause. Es gibt Nudeln mit Kartoffeln und Ei und Käse. Die Futterluken hauen 2kg Nudeln weg wie nix und da es keinen Abend ohne Rotwein gibt, wird heute ein 2013er Saint Emilion aus Cola-Whiskey Gläsern getrunken während die Radio Superfly App ordentlich eingroovt. Es folgen tiefphilosophische Gespräche die in "Es ist nicht unrichtig, solange man ehrlich ist" gipfeln. So nebenbei bekennen sich zwei Männer zum Ofen mit dem wir jeden Abend einheizen "I steh' a bissl aufs Worme." - "I a."

 Am Mittwoch erreichen die Körperausdünstungen auf Grund der Vielzahl an Nudelgerichten wohl ihren Höhepunkt. Kein Mensch kann an zwei Abenden Thunfischnudeln essen, dann Hendl und dann Nudeln mit Ei ohne sich der Folgen in Gestalt von schwefelhältigen Methangasen bewusst zu sein. Wir fühlen uns selbst nicht mehr wohl in unserer Haut, haben aber auch keine Hemmungen der Natur ihren freien Lauf zu lassen. Geflashed waren wir dann immerhin doppelt, denn Rocher aux Sabots ist ein Gebiet mit Boulder, Boulder, Boulder. Alles für jeden und davon viel - allerdings auch viel Leute. Deshalb geht es gleich nach 91.1 wo es schon ein wenig ruhiger ist, und die Boulder ebenso genial. Hier findet the Edster endlich sein Urlaubsprojekt. Le flipper, eine Kompressionskletterei an genialem Fels verlangt ihm alles ab und er kennt kein Halten. Die Versuche werden besser, und besser, aber es reicht dann leider nicht und der Einsatz an Haut, Nerven und Kraft bleibt unbelohnt. Auch das ist Bleau. Schade.
In Cul de Chien flashen Flow und Archy den Le toit de Cul de Chien (7A) (siehe Fotos) und Flow macht gute Versuche in Eclipse (7C), wo er nur ganz knapp die rettende Leiste verfehlt. Tobias, der Deutsche, wollte uns auch noch erklären, was das Geheimnis in Bleau ist, dass man nicht nur Technik braucht, sondern auch.....ja was das ist, werden wir nie erfahren. In diesem Augenblick erblickte er seinen Sohn Leopold, der 2-jährig auf einem Felsen herumturnte und nicht ganz verstand, warum der Papa jetzt so einen Stress macht. Am späten Nachmittag knipsen wir noch einige Boulder zwischen 5A-7B und zur Wiederherstellung gibt es ein weiteres Mal Nudeln und Wein vor dem knisternden Kamin. Heute haben wir auch zum ersten Mal etwas ausgemistet da sich einige Dosen Bier, leere Flaschen, Sugogläser, Thunfischdosen, Bioabfall usw. angesammelt haben. Zugegeben, es hat etwas gemüffelt, aber alle waren froh, dass die olfaktorischen Sinne noch funktionierten.

 

 

Am Tag darauf streunen wir bei den 3 Zinnen herum und nehmen die Boulder unter die Lupe. Wir essen, trinken Kaffee und es wird geschlafen. Archy checkt sich einen 7B+ Überhang wo ich am Startzug gleich das Handtuch werfe - zu wenig Bizeps. Kollegah würde mir da schon einen ordentlich Tipp geben, wie man das richtig "bosshaft" antrainieren kann. Anyway, so schnell geht das nicht. Aber Flow hat schon zwei heiße Guns parat und flasht das 7B+ Ding, so wie das 7B Gerät gleich daneben. Offene Münder und Glückwünsche, natürlich gepaart mit etwas Neid. Wer wäre nicht gerne so fit? Unser ständiger Begleiter, der Regen, kündigt sich wieder einmal an und wir beschließen auf Struppis Wunsch das Schloss Fontainbleau und seinen Park zu besichtigen. Es ist ein Schloss. Im Park stehen Hecken und Bäume. So wie immer und überall aber gut, dass wir das auch gesehen haben. Da gehen wir doch lieber in das kleine Cafe gegenüber, trinken Cafe au lait und un bierre. Als wir daheim ankommen ist der Ofen schon vorgeheizt was gut und schlecht ist. Gut: es ist warm. Schlecht: die Dame des Trips hat das restliche Heizholz in thermische Energie und Abfallprodukt verwandelt. Es bleibt ein nasser, oberschenkeldicker Ast, der einfach nicht anbrennen will und ein frostiger Abend. Die Wettervorhersage verheißt nichts Gutes aber kein Grund ausfallend zu werden, wie das Zitat des Abends beweist: "Du bist so unnötig!" Am Morgen des vorletzten Tages reduziert sich unsere Crew um 33% und Bono singt "with or without you" aus dem Radio. Zurück bleiben die Voitsberger Unholde die sich nach J.A. Martin begeben und dort nur einige wenige Versuche machen können bis der Regen auf ein Neues seine feuchten Grüße sendet.

 

 

Etwas durchnässt fahren wir in unser Haus, essen Makrelen in Essig-Senfsauce die wie frisch Erbrochenes schmecken und spülen die Mischung mit Kaffee hinunter. Ohne Holz für den Ofen sitzen wir im kalten Wohnzimmer bis es mir reicht und ich von dem Häuschen nebenan, wo Briten wohnen, einige Stücke Holz "ausborgen" kann. So wird der letzte Abend doch noch knisternd und schickt uns in den nächsten Tag und die viel zu frühe Heimreise.

Fazit? Durchwachsenes Wetter, einige gute Tage, geniale Stimmung und BOULDERS!

Bernd Schlögl - Boulders, Betas and Beats
Nina Lach - Ist Flash eine Frau? ZOOM! ZOOOM! ZOOO...

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Kommentare 1

Flo am Montag, 13. April 2015 10:29

#Happyhippiebaumwollsackerlvegansoftmovebartboulderclowns :D

#Happyhippiebaumwollsackerlvegansoftmovebartboulderclowns :D
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