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Th.Bub.

Den rettenden Haken erreichte ich nur unter Aufbietung all meiner restlichen Nerven und mit schlotternden Knien. Der Standplatz war schlecht. Die Zwischensicherungen waren schlecht. Mir war schlecht. Vor Anstrengung und Angst. Durch die Öse des Hakens, in den ich nun aufatmend meinen Karabiner klinkte, war eine weiße Bandschlinge gefädelt die im kalten Nordwind flatterte. Th. Bub. war drauf zu lesen. In fetten Lettern. Mit Filzstift gemalt. Es war nicht die erste Schlinge die ich vorgefunden hatte. In den letzten Stunden waren uns diese weißen Bänder immer wieder begegnet. Zeugen eines Alleingangs von Thomas Bubendorfer. Er hatte sich damit an den schwierigsten Passagen selbst gesichert. Meine Bewunderung für Thomas wuchs ins Unermessliche.

Sommer 1983. Am frühen Morgen war ich mit Rainer in die „Dachlkomplizierte" eingestiegen. Sie galt als die extremste Gesäusetour dieser Tage und vor uns waren erst etwa 20 Seilschaften die Route geklettert. Die Liste der Begeher las sich wie das Who is Who der ostösterreichischen Kletterszene. Klaus Hoi und Hugo Stelzig hatten die Route in der Dachl Nordwand 1977 erstbegangen. 1980 folgten Karl Kosa und Ernst Machacek als Zweitbegeher. Eine Woche darauf unsere Freunde Ernst und Roman Gruber. Den beiden gelang zwei Jahre später auch die erste Rotpunktbegehung. Und kurz darauf war der erste Solokletterer durch das Fernrohr der Haindlkarhüttezu beobachten. Der Zwanzigjährige Salzburger Thomas Bubendorfer durchstieg bei der Erstbegehung der „Superlative" im Solo eine Kombination bestehender Routen, deren mittlere die Komplizierte war. Schon damals bezeichnete er sich als Kletterprofi und zählte sich selbst zu den Besten und Schnellsten der Welt. Es war die fünfte oder sechste Begehung der Dachlkomplizierten und die erste im Alleingang.

Rainer und vor allem ich hatten ordentlich zu kämpfen. Die Wand war von breiten Wasserstreifen überzogen und die Verhältnisse waren aufgrund der Regenfälle in den letzten Tagen mehr als schlecht. Die Schwierigkeit und vor allem der Respekt vor der Route brachte mich hart an meine Grenzen. Umso mehr Respekt brachte ich in diesen Stunden Thomas Bubendorfer entgegen. Der Gedanke, hier allein unterwegs zu sein ließ mich erschaudern. Undenkbar.

In den folgenden Jahren wurde Thomas über die Grenzen hinaus berühmt. Er war nach Reinhold Messner der Erste, der sich im medialen Rampenlicht zu bewegen wusste und dies wohl auch sehr genoss. Das brachte jede Menge Neider und Zweifler mit sich. Thomas konterte immer wieder mit herausragenden Leistungen in der Senkrechten.

Mitte der achtziger Jahre schließlich begegnete ich ihm persönlich. Auf der Heimreise aus dem Verdon machte ich Halt in La Turbie. Am Fuß der glatten Mauer des Tete de Chien, hoch über den Dächern Monte Carlos, war der Salzburger Blondschopf gerade dabei sich ins Seil zu binden, als ich um die Ecke bog. Thomas und ich mühten uns einen ganzen Nachmittag nebeneinander an den technisch anspruchsvollen Plattenklettereien ab und plauderten und lachten über dies und das. Keine Spur von Arroganz und Stargehabe, was ihm so oft vorgeworfen wurde, war zu bemerken. Die Tatsache, dass er an den 6c`s genauso herumzitterte wie ich, machte ihn mir nur noch sympathischer.

Über all die Jahre habe ich seinen Weg aus den Augenwinkeln mitverfolgt. Habe mir seine Bücher gekauft, von denen mir vor allem sein Erstlingswerk „Der Alleingänger" außerordentlich gut gefällt und war sehr erschrocken und betroffen als ich vor ein paar Tagen von seinem schweren Unfall beim Eisklettern in den Dolomiten erfuhr.

Ich hoffe, dass alles gut werden wird und wünsche ihm von Herzen baldige Genesung und dass er wieder ganz gesund werden möge.

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