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4 Minuten Lesezeit (817 Wörter)

8a - #8

8a - #8

Nach dem Bleau Urlaub ging ich erst einmal bouldern - was auch sonst? In den neuen Boulderhallen fielen die Probleme nur so und ich fühlte mich sehr leicht, was für mich immer ein Zeichen für eine gute Fitness ist. Da die neuen, rauen Griffe meiner Haut sehr zusetzten brauchte ich zwei Ruhetage nur um dann auch wieder zu nachlässig zu sein und ging am Freitag wieder in die Halle bouldern. Der Fehler war...ich ging bouldern und habe nicht trainiert mit einer Ausnahme wo ich am Griffbrett hängte. Zum ersten Mal nach einem Monat Pause (sic!). Es ging, aber es ging nicht gut. Auf einmal fühlte ich mich schwer, als hätten mir ein paar Mafiosi die Betonpatscherl angezogen und in die Mur geworfen. Das ließ nichts Gutes erahnen und sonderlich motiviert war ich auch nicht um am Sonntag mich in die Route zu stürzen. Flow machte sich aber extra die Mühe 30 Minuten nach Graz zu fahren nur um mich zu sichern - das ist ein Dude! Um nicht zu sagen "seine Dudeness"!

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Nach dem obligatorischen "Zwa Kaffee, bitte!" sind wir an der Wand. Die Zeiten sind andere. Es ist schattig, sehr kühl und Wind bläst uns entgegen - TOP CONDITIONS!!! Ich wärme mich auf mit einem Theraband und halten von kleinen Leisten, gehe aber schon bald zu meiner Route. Natürlich gehört sie nicht mir, aber wir gehen ein Stück des Wegs zusammen, so in etwa wie Lebensabschnittsgefährten. Immer wieder komme ich zu ihr zurück, so lange bis ich ihr überdrüssig bin, oder die Naturgesetze es nicht mehr zulassen.

Von den kleinen Leisten katapultiere ich mich zielgenau in die Sanduhr, klinke die 2. Exe, klettere weiter, es geht so leicht, die Züge fließen, einer in den anderen, es ist ein perfekter Rausch. Und in diesem Augenblick wollte ich wissen was geht. An der Kante vom Überhang war dann Schluss, mit eiskalten und brennenden Fingern. Aber was für ein 1. Go! Trotz des Muskelkaters vom Griffboarden kletterte ich wie von Sinnen und die Befürchtungen, ich wäre momentan nicht fit, verschwinden in diesem Moment.

Als ich in die Platte klettere bin ich unsicher, tänzle noch immer herum wie mit voller Hose aber ich weiß, heute muss ich nur dieses letzte Puzzlestück auschecken. Zwei Stürze später finde ich eine Lösung und schnappe zum ersten Mal in den Umlenker um das Seil einzuhängen. Jetzt versuche ich noch eine Position zu finden von der ich kontrolliert klinken kann und klettere die letzten zwei Meter noch einmal im Toprope um mir alles einzuprägen.
Alles funktioniert einwandfrei und fühlt sich kontrollierbar und jederzeit kletterbar an - Super!

Ich lasse mich ab, die Exen bleiben in der Route und nach zehn Minuten Pause fühle ich mich frisch genug für einen Durchstiegsversuch.

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Der Beginn läuft wie immer, Henkel - Loch - Hook - Leiste - Ägypter - Leiste - Sprung in die Sanduhr - und dann falle ich.
Das ist neu, die Sanduhr habe ich schlecht erwischt und konnte die Füße nicht mehr auf die relativ guten Tritte bringen. "Was wenn es das war? Lass dich nicht verrückt machen. Noch einen Guten, nur einen!! Du kannst es locker klettern, alles kein Problem. Gemma gemma, sagt die Emma. Reiß amol an...."
So mein innerer Monolog.
Der nächste Versuch endet mit dem Sprung, es folgen weitere gedankliche Auseinandersetzungen und der nächste endet noch früher - auf den Leisten.

Ich mache eine weitere, kurze Pause, 2 Minuten vielleicht um nicht auszukühlen, und um meine Gedanken in ruhigere Bahnen zu lenken. Es wird nicht mehr besser. Einmal stocke ich nach dem ersten Zug vollkommen verdattert und sogar ein "Mir ist alles wurscht"-Versuch endet gleich am Anfang weil ich die Finger auf den Leisten nicht mehr aufstellen kann.
Die Exen bleiben heute zurück, wer weiß wann ich sie wieder benötige. Heute komme ich hier nicht mehr hinauf. Das Ausruhen auf meinem Training, das ich wenige Wochen durchgezogen habe, hat sich bereits gerächt und es wird wieder Zeit nicht mehr in Hallen zu gehen um zu bouldern. Ich muss wieder in die Halle gehen um zu trainieren!

Wir sind früh zurück und wiederholen unsere Vormittagsbestellung. Die Bouldersaison ist da und wir reden über Ziele, nahe und ferne (also Urlaubsziele) und wie sich die Welt um uns verändert und wir uns mit ihr in diesem Mikrokosmos des Kletterns. Als die Sonne hinter dem Waldrand verschwindet beschließen wir nach Graz zu fahren. Zu Beruf und Studium, Wohnung und Haus. Ich blinzle vor dem Einsteigen noch einmal zu ihr hoch und weiß, die Zeit wird knapp, aber das nächste Wochenende ist nicht allzu weit entfernt.

 

Epilog:
Seit diesem Tag ist ein Monat vergangen. Wann immer ich oben war, war es triefend nass. Die Bouldersaison ist da, und ich möchte jetzt nur noch mit meiner Matte in den Wald rennen. Eines Tages sehe ich sie wieder, die scharfe, höhnisch grinsende Leiste gleich unter ihren tiefen, dunklen Augen der Sanduhr. Niemals werde ich sie vergessen, schließlich wird sie meine Erste sein :)

Ort (Karte)

8131 Mixnitz, Österreich
Die alte Leier: Die Schuhe sind durch - und jetzt?...
Fingerschinder
 

Kommentare 1

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Michael Gattol am Montag, 24. November 2014 23:05

Wieder einmal feiner Blog Steph
schade das es nicht mehr geklappt hat heuer ...

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Wieder einmal feiner Blog Steph :) schade das es nicht mehr geklappt hat heuer ...

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